Titelbild: Entwickeln wir uns nach dem Tod noch weiter?
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Entwickeln wir uns nach dem Tod noch weiter?

Ja – zumindest legen es die Botschaften nahe, die mir Verstorbene in Jenseitskontakten übermitteln. Viele berichten von Wandel, neuem Verständnis und einem fortschreitenden inneren Prozess nach dem Tod. Wie ich das als Medium wahrnehme und was Verstorbene darüber erzählen, beschreibe ich im Folgenden.

Eine der Fragen, die mich in meiner Arbeit als Medium intensiv beschäftigt, ist diese: Was passiert mit uns, nachdem wir gestorben sind? Gibt es dann noch Zeit – und Entwicklung? Wie stellt sich das geistige Sein dar, körperlos, wenn das Leben auf der Erde beendet ist?

Niemand kann das mit Sicherheit sagen. Auch ich nicht.

Und doch bekomme ich als Medium von Verstorbenen immer wieder Hinweise und Ahnungen. Um transparent zu sein: Auch einem Medium können Verstorbene ihren Seinszustand nicht präzise übermitteln. Das menschliche Gehirn kennt keine körperlose, rein geistige Erfahrung – und ich kann als Medium nur das empfangen, was ich selbst kenne. Ein Medium greift bei der Kommunikation mit Verstorbenen gewissermaßen immer auf die eigene Datenbank zurück. Was jenseits davon liegt, ist höchstens zu erahnen.

Was mir die Verstorbenen geben können, sind Hinweise, Symbole, Botschaften. Zusammen mit meinen Beobachtungen komme ich zu dem Schluss: Ja, es gibt Entwicklung – auch nach dem Tod.

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Seelische Weiterentwicklung jenseits des Lebens

Ich erlebe in Jenseitskontakten regelmäßig, dass Verstorbene innerlich nicht dort stehen, wo sie zum Zeitpunkt ihres Todes standen. Besonders deutlich ist das bei Personen, die sich zu Lebzeiten etwas zuschulden kommen lassen haben. Da ist eine Bewegung wahrnehmbar – von Schuld und Scham über Reue bis hin zum Mut, sich zu entschuldigen. Und manchmal, wenn der Hinterbliebene diese Entschuldigung annehmen kann, zu etwas, das sich wie tiefe innere Freiheit anfühlt – auf beiden Seiten.

Da mein stärkster Sinn das Hellfühlen ist, erlebe ich diese Entwicklungen oft am eigenen Leib. Manchmal ist eine solche Wandlung sogar innerhalb der 90 Minuten eines einzigen Jenseitskontakts spürbar.

Der Opa, der 40 Jahre schwieg

Ein Jenseitskontakt hat sich mir besonders tief eingeprägt.

Ein Enkel kam zu mir – er war bereits mehrmals bei anderen Medien gewesen und mit allen seiner Verstorbenen in Kontakt – fast allen. Denn sein Opa hatte sich bisher nie gezeigt. Doch als der Enkel zu mir kam und ich mich für die geistige Welt öffnete, erschien der Großvater – zur großen Überraschung seines Enkels. Warum erst jetzt? Welche Rolle spielt der Faktor Zeit für Verstorbene?

Ich spürte sofort eine schwere Last. Unaufgelöste Schuld und Scham haben eine eigene Qualität, die ich unmittelbar körperlich wahrnehme. Der Opa bewies sich zunächst mit konkreten Bildern: Er zeigte mir detailliert seinen Garten, die Pflanzen, den Teich mit Brunnen. Der Enkel bestätigte die Bilder, die mir der Opa übermittelt. Dieser Teil des Jenseitskontakts verlief flüssig.

Dann spürte ich, dass der Opa unbedingt über etwas sprechen wollte – und sich gleichzeitig kaum überwinden konnte.

Es brauchte viel Geduld – vom Enkel und von mir. Schließlich gab mir der Großvater zu verstehen, dass er Alkoholiker gewesen war und Frau und Kinder geschlagen und damit viel Leid über die Familie gebracht hatte. Der Enkel bestätigte, nickte, schwieg. Dann begann der Opa, mich Schicht für Schicht durch sein eigenes Leben zu führen. Schmerzhafte Erfahrungen im Krieg. Und darunter, noch eine Schicht tiefer: seine Kindheit. Eine hartherzige, unnachgiebige Mutter, die keinen Raum hatte für die Zartheit ihres Sohnes. Der Urschmerz, von der eigenen Mutter abgelehnt zu werden, hatte bei ihm dazu geführt, seine Gefühle, seine Weichheit, sein eigenes Sein zu verdrängen. Alkohol half. Fremde Gefühle, fremde Weichheit musste fortan abgewehrt werden – notfalls durch Schläge.

Die Erzählung war so berührend und so traurig, dass der Enkel zum ersten Mal die Beweggründe seines Großvaters wirklich fühlen konnte. Als der Opa ihn anschließend aufrichtig um Verzeihung bat, konnte der Enkel sie annehmen. In diesem Moment fühlte ich eine unglaubliche Befreiung – auf beiden Seiten. Als wäre eine große Last abgefallen und eine Verstrickung aus Scham und Schuld gelöst worden. Gegen Ende des Kontakts zeigte sich der Großvater in tiefer Dankbarkeit. Und ich spürte plötzlich eine Leichtigkeit, als wäre er durch diesen Kontakt wirklich frei geworden.

Es ist selten, eine so starke Wandlung innerhalb von 90 Minuten zu erleben.

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Innere Entwicklung

Beim eben beschriebenen Großvater waren offenbar 40 Jahre nötig – wie auch immer man sich das vorstellen mag –, bis er für eine echte Entschuldigung und aufrichtige Reue bereit war.

In anderen Fällen braucht es mehrere Kontakte über mehrere Medien. Ein Vater, der seiner Tochter gegenüber sehr hart gewesen war, hatte sich in den fünf Jahren seit seinem Tod bereits drei anderen Medien gezeigt. Er brachte jedes Mal eindeutige Beweise seiner Identität – doch dann sprach er ausschließlich über Belangloses. Die Tochter hatte mir berichtet, dass er sich dem Eigentlichen bei jedem Medium immer ein wenig mehr genähert hatte, aber schließlich nie ins Sprechen kam. Die eigentliche Schuld – das, wofür er sich zutiefst schämte – sprach er erst bei mir an, beim vierten Medium.

Die Tochter war erleichtert. Seit Jahren hatte sie auf diesen Moment gewartet. Zum ersten Mal fühlte sie sich von ihrem Vater wirklich gesehen. Sie konnte seine Entschuldigung annehmen und beide schienen danach zu einem tiefen Frieden zu finden.

Eine neue Sprache lernen

Etwas, das mich als Medium immer wieder fasziniert: Es gibt einen spürbaren Unterschied darin, wie leicht oder schwer Verstorbene mit mir kommunizieren können – abhängig davon, ob sie bereits Erfahrung mit medialer Kommunikation haben.

War eine verstorbene Person seit ihrem Tod bereits ein- oder mehrmals mit einem Medium in Kontakt, gelingt die Verbindung oft deutlich leichter und schneller. Beim ersten Mal kann es einige Minuten dauern, in denen es mir vorkommt, als müssten wir uns gemeinsam auf eine Frequenz einigen. Das gelingt am Ende nahezu immer – und doch ist oft der Unterschied spürbar.

Als würden Verstorbene nach dem Tod noch eine neue Sprache lernen können: die Kommunikation mit Medien.

Die Frage der Zeit

Kaum etwas ist so komplex wie die Frage nach der Zeit. Gibt es noch Zeit nach dem Tod – oder ist Zeit ein Phänomen des Lebens auf der Erde?

Eine klare Antwort hat niemand. Und doch scheint es mir, dass Zeit für Verstorbene vor allem dann eine Rolle spielt, wenn sie noch eng mit der Welt verstrickt sind – durch Liebe und enge Bindungen zu Menschen auf der Erde, oder besonders durch unaufgelöste Schuld.

Manchmal habe ich die Vermutung, dass die Entwicklung der Hinterbliebenen auch der Entwicklung der Verstorbenen zuträglich ist. Haben die Hinterbliebenen sich intensiv mit der Schuld des Verstorbenen auseinandergesetzt, teilweise verziehen, so scheint sich der Verstorbene seiner Schuld manchmal leichter annähern zu können.

Doch muss ich meiner eigenen These auch direkt widersprechen: Ich habe Verstorbene erlebt, die sich aus freien Stücken und mit großer Intensität ihrer Schuld gestellt haben – ohne dass die Hinterbliebenen ihnen in den vergangenen Jahren auch nur einen Gedanken geschenkt hatten.

Was das bedeutet, weiß ich nicht. Es bleibt, wie so vieles in meiner Arbeit, eine offene Frage – und gerade das ist in meinen Augen das Faszinierende an der Beschäftigung mit der geistigen Welt.

Wenn Sie mehr über meine Wahrnehmung als Medium erfahren möchten, empfehle ich meinen Artikel über die Hellsinne – und darüber, wie ein Jenseitskontakt konkret abläuft.

Rebecca Gischel – Jenseitsmedium München

Über die Autorin

Rebecca Gischel ist Jenseitsmedium aus München. Ihre besondere Stärke liegt in der feinen Wahrnehmung von Gefühlswelten der Verstorbenen. Wenn Sie Interesse an einem Jenseitskontakt haben, finden Sie weitere Informationen auf der Seite zu Jenseitskontakten.

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