Wenn ich Menschen von meiner Arbeit als Medium erzähle, ist oft die erste Frage, wie ich die Verstorbenen wahrnehme und wie ich mit ihnen kommunizieren kann.
Als Medium nehme ich die Verstorbenen über die sogenannten Hellsinne wahr. Denn die Kommunikation zwischen einem Verstorbenen und einem Medium geht nicht direkt vonstatten, sie funktioniert also nicht wie ein Telefongespräch.
Was stattfindet, ist eine Übersetzungsarbeit: Informationen, Gefühle und Erinnerungen werden mir in einer Form übermittelt, die ich über meine Hellsinne wahrnehmen kann. Bei jedem Menschen sind die Sinne in unterschiedlichem Maß angelegt – und bei einem Medium sind sie nicht nur besonders fein ausgeprägt, sondern auch noch besonders geschult und in der Lage, auch Wahrnehmungen aus der geistigen Welt zu empfangen und etwa verschiedene Energien zu differenzieren. Gerade letzteres ist eine Sache von langem Training.
Zu den Hellsinnen zählen: Hellfühlen, Hellsehen, Hellhören, Hellwissen sowie Hellriechen und Hellschmecken. Im Folgenden erkläre ich, was diese Sinne ganz konkret bedeuten – und wie sie sich in meiner Arbeit zeigen.
Hellfühlen
Bei jedem Medium sind die Hellsinne unterschiedlich stark ausgeprägt und gewichtet, weswegen jedes Medium die Verstorbenen unterschiedlich wahrnimmt. Mein stärkster Sinn ist das Hellfühlen – und er bildet das Herzstück meiner medialen Arbeit.
Beim Hellfühlen nehme ich die emotionale Welt eines Menschen wahr: seine Charaktereigenschaften, seine Stimmungen, seine Lebensphilosophie, wie er sich angefühlt hat. Ich fühle detailliert, in welcher Beziehung er zu anderen Menschen stand. Doch ich nehme nicht nur die bewussten Ebenen wahr. In einem Jenseitskontakt komme ich oft auch mit den inneren Tiefenschichten eines Menschen in Kontakt, die zu Lebzeiten verdrängt worden waren. Zumeist verursacht von frühen Erfahrungen von Schmerz, führten diese Schichten oft dazu, dass der Mensch den Zugang zu seinen Gefühlen teils oder ganz verloren hatte. Den Verstorbenen ist es oft ein Anliegen, gerade auch diese Schichten fühlbar zu machen, weil sie oft eine Erklärung für vergangenes Verhalten darstellen.
Ein Beispiel aus meiner Arbeit: Der Vater meiner Klientin war zu Lebzeiten sehr verschlossen und für seine Tochter nicht zugänglich, was bei ihr zu einem großen Schmerz geführt hat. Im Laufe des Kontakts kann er sich seinen ehemals verdrängten Schichten nähern und der Tochter zeigen, welche frühen Erfahrungen so traumatisch für ihn gewesen sind, dass er den gesamten Zugang zu seinen Gefühlen verdrängen musste. Der Vater schafft es, seiner Tochter zu zeigen: Es lag nie an dir. Du bist zutiefst liebenswert, so wie du bist.
Hellfühlen umfasst neben den emotionalen Aspekten auch die Wahrnehmung von körperlichen Symptomen. Nach der Todesursache befragt, übermitteln sie mir oft eine direkte körperliche Wahrnehmung. Verspüre ich einen bestimmten Druck auf dem Brustkorb, handelte es sich zumeist um Herzinfarkt. Nebel in meinem Kopf weist auf Demenz hin, plötzliche Schmerzen in meinen Gelenken können anzeigen, dass der Verstorbene an Arthrose gelitten hat.
Durch mein ausgeprägtes Hellfühlen trete ich mit dem Verstorbenen auf einer direkten emotionalen Ebene in Kontakt. Es ist eine tiefe, körperliche Wahrnehmung, so als würde ich die verstorbene Person in meinem eigenen Körper und durch meine eigene Gefühlswelt spüren – und so kann ich ihr sein nicht nur als abstraktes rationales Wissen, sondern durch ein echtes Spüren an die Hinterbliebenen weitergeben.
Hellsehen
Beim Hellsehen werden visuelle Informationen empfangen – in aller Regel nicht als objektive Erscheinung vor meinen Augen, sondern als innere Bilder, Szenen oder Fragmente vor dem inneren Auge des Mediums.
Das können Bilder von Orten sein, die der Verstorbene geliebt hat – ein Garten, ein Haus, ein Lieblingsrestaurant am Meer. Es können Gesichter sein, Gegenstände, bedeutsame Erinnerungen. Während die meisten Bilder faktisch gemeint sind, sind andere symbolisch und als Botschaft zu verstehen. Die Übersetzungsarbeit geschieht im Dialog mit dem Klienten, der bestätigt, was er erkennt – und an welcher Stelle ich bei Verstorbenen noch mal tiefer nachfragen muss.
Besonders das erste Bild, das mir in einem Jenseitskontakt gezeigt wird, hat oft eine besondere emotionale Bedeutung für den Verstorbenen.
Ein Beispiel aus meiner Arbeit: Eine Verstorbene zeigt mir als erstes Bild die betenden Hände von Albrecht Dürer. Meine Klientin bestätigt, dass dieses Bild im Wohnzimmer der Verstorbenen hing. Im Laufe des Jenseitskontakts wird deutlich, dass sie damit jedoch nicht nur einen Beweis erbringen wollte, sondern dass sich eine tiefere Bedeutung in diesem Bild verbirgt. Der Verstorbenen war es ein Anliegen, über ihren Glauben zu sprechen und diesen der Hinterbliebenen nahezubringen – in einer Zeit, in der sich meine Klientin haltlos fühlte.
Hellhören
Das Hellhören bedeutet nicht unbedingt, dass das Medium Stimmen im Außen hört. Viel mehr kann man sich das als eine innere Stimme vorstellen. Worte, Sätze oder Klänge tauchen im inneren Bewusstsein des Mediums auf – sie fühlen sich anders an als eigene Gedanken, haben eine andere Qualität, eine andere Herkunft.
Manchmal ist es ein Ausruf. Manchmal ein bestimmter Ausdruck, den jemand immer verwendet hat. Manchmal ein Lied. Das Hellhören ist einer der selteneren Sinne – und gleichzeitig einer der präzisesten, wenn er klar empfangen wird.
Ein Beispiel aus meiner Arbeit: Während der Verstorbene während des bisherigen Jenseitskontakts hauptsächlich über Hellfühlen, -wissen und -sehen mit mir kommuniziert hat, wird er während der Übermittlung der Botschaften an seine Enkelin impulsiv und ruft aus “Erkenn doch endlich, wie stark du bist! Du musst dir das doch gar nicht gefallen lassen!”
Hellwissen
Das Hellwissen ist vielleicht der faszinierendste – und der am schwersten zu erklärende – aller Hellsinne.
Es kommt ohne Bild, ohne Körpergefühl, ohne Klang. Es ist einfach ein plötzliches Wissen: Ich weiß, dass dieser Mensch drei Kinder hatte. Ich weiß, dass er in einem bestimmten Beruf gearbeitet hat. Ich weiß, dass es sich um den Vater meiner Klientin handelt. Woher? Das lässt sich nicht erklären. Es ist da – klar und unmittelbar.
Das Hellwissen verlangt ein hohes Maß an Vertrauen in die eigene Wahrnehmung. Denn es gibt keine sinnliche Brücke, auf die man sich stützen kann. Man muss bereit sein, das auszusprechen, was man weiß – obwohl man nicht weiß, warum man es weiß.
Hellriechen und Hellschmecken
Diese beiden Sinne sind die seltensten – und für viele Klienten die überraschendsten.
Beim Hellriechen nehme ich Gerüche wahr, die mit der verstorbenen Person verbunden sind: das kann bei einem Raucher Zigarettenrauch sein, bei einem Jäger der Geruch von Tannen, bei einem geselligen Menschen der stickige Geruch seiner Stammkneipe. Beim Hellschmecken können es Lieblingsspeisen sein oder andere Geschmackseindrücke, die der Person wichtig sind.
Ein Beispiel aus meiner Arbeit: Im Jenseitskontakt einer Oma, es ist gerade Nachmittag, schmecke ich plötzlich Aprikosenkuchen. Lachend erzählt sie mir, dass ihre Oma immer diesen speziellen Aprikosenkuchen gebacken hat.
Wie die Hellsinne zusammenspielen
In der Praxis arbeiten diese Sinne selten isoliert. Ein Jenseitskontakt ist ein fließender Prozess, in dem die verschiedenen Wahrnehmungen fließend ineinandergreifen und eine Erzählung formen. Ich sehe vielleicht ein Bild, spüre gleichzeitig die emotionale Qualität dahinter, und plötzlich weiß ich, was mir der Verstorbene damit in der Tiefe mitteilen möchte.
Bei jedem Medium sind diese Kanäle unterschiedlich ausgeprägt. Ich arbeite primär über das Hellfühlen – die Wahrnehmung der Gefühlswelten und Charakternuancen der Verstorbenen ist meine stärkste Gabe. Sie ist es, die es mir ermöglicht, einen Menschen so zu beschreiben, dass seine Hinterbliebenen ihn nicht nur erkennen, sondern ihn wieder spüren – so, wie er war.