Titelbild: Die Bedeutung von Vergebung
← Zurück

Die Bedeutung von Vergebung

In meiner Arbeit als Jenseitsmedium erlebe ich immer wieder: Nicht nur Liebe bindet Menschen tief aneinander, sondern auch schwere Gefühle wie Groll, Wut oder Hass – bis über den Tod hinaus. Wer innerlich an der Schuld eines anderen festhält, trägt diesen Menschen gewissermaßen in sich, ob er will oder nicht. Das kann sich emotional, körperlich und seelisch auswirken. Umso wichtiger erscheint mir der innere Prozess der Vergebung – um schließlich dem anderen Freiheit zu schenken, und darüber sich selbst.

Das Wort Vergebung – abgeleitet vom Verb vergeben – bedeutet ursprünglich „weggeben" oder „schenken". Es setzt sich aus dem Präfix ver- (im Sinne von „weg, fort") und dem althochdeutsch-germanischen Wort geban (geben) zusammen.

Erkenntnis nach dem Tod

Im Tod scheinen die Mauern der Verdrängung zu schmelzen. Was ein Mensch zu Lebzeiten erfolgreich ausblenden konnte, tritt plötzlich in voller Klarheit zutage – die eigene Schuld, das Leid, das man anderen zugefügt hat. Gleichzeitig zeigt sich oft ein tieferes Verstehen: warum jemand so gehandelt hat, welcher unverarbeitete Schmerz dahinterstand. Kaum jemand handelt schlecht, weil er das Schlechte bewusst wählt – meist ist es der Verlust des eigenen inneren Kompasses.

Ich stelle gerne auch für Sie einen Jenseitskontakt zu Ihren Verstorbenen her. Vor Ort in München oder online weltweit.
Ihr Jenseitskontakt

Nicht immer stellt sich unmittelbar die volle Erkenntnis ein. Auch nach dem Tod gibt es seelische Entwicklung und einen fortlaufenden inneren Prozess – dazu habe ich einen eigenen Artikel geschrieben: Entwickeln wir uns nach dem Tod noch weiter?

Diese Erkenntnis bringt oft große Scham. Je größer die Schuld, desto schwerer kann dieser Zustand sein. In der katholischen Kirche würde man ihn wohl als Fegefeuer bezeichnen – ein Bild, das ich aus meiner medialen Erfahrung gut nachvollziehen kann. Und dieses Leid erreicht über die ungelöste Verbindung auch den Hinterbliebenen – oft unbewusst, als emotionale Schwere, deren Ursprung ihm nicht klar ist.

Was Vergebung bedeutet – und was nicht

Vergebung ist etwas anderes als Versöhnung. Sie bedeutet nicht, den anderen zu mögen, zu lieben oder seine Taten gutzuheißen – nicht einmal, ihn zu verstehen, auch wenn Verständnis oft ein Weg dorthin ist. Vergebung bedeutet vielmehr: dem anderen die Erinnerung an seine Taten zurückzugeben, anstatt sie in Form von Wut oder Groll weiter in sich zu tragen. Indem man loslässt, befreit man sich selbst und löst das Band, das einen mit dem anderen verbindet.

Vielleicht bedeutet es in der Tiefe zu vergeben, jemandem das Geschenk zu machen, in Frieden mit seiner eigenen Wahrheit kommen zu dürfen – um sich irgendwann in Liebe neu begegnen zu können.

Ein Beispiel aus meiner Arbeit: Eine Klientin trug einen tiefen Groll gegenüber ihrem verstorbenen Vater in sich, dessen Ursache ihr lange nicht bewusst gewesen war – er hatte sich als anhaltende emotionale Schwere gezeigt. Verzeihen, Verstehen oder gar Lieben war angesichts der Schuld des Vaters zunächst nicht möglich. Vergebung bedeutete hier vielmehr: den Teil, den sie noch von ihm in sich trug, innerlich loszulassen – um das Band zu lösen und beiden Frieden zu schenken.

Hier ist mir wichtig zu betonen: Die Aufforderung zur Vergebung darf nicht zur Täter-Opfer-Umkehr werden. Wer durch einen anderen Menschen gelitten hat, trägt keine Schuld, wenn er nicht vergeben kann. Manche Taten sind so schwer, dass Vergebung nicht möglich ist – das gilt es zu respektieren.

Wie Vergebung geschehen kann

Vergebung ist selten ein Moment, sondern ein innerer Prozess, der Geduld und Nachsicht mit sich selbst erfordert. Es gibt nicht die eine richtige Methode. Der Prozess kann etwa durch innere Gespräche, Briefe an den Verstorbenen oder das bewusste Zuwenden zum eigenen Schmerz angestoßen werden – was zählt, ist nicht die Form, sondern dass innerlich etwas in Bewegung gerät.

Auch ein Jenseitskontakt kann ein solcher Anstoß sein, etwa wenn ein Verstorbener eine lang ersehnte Entschuldigung ausspricht. Ein Medium kann dafür den Raum anbieten – garantieren, dass der Verstorbene diese Möglichkeit ergreift, kann es nicht. Manchmal braucht es auch Unterstützung von außen, etwa durch Therapeuten oder Freunde.

Der Weg ist nicht immer einfach, und doch: Wahre Vergebung ist vielleicht das größte Geschenk, das wir uns selbst und dem anderen machen können. Weil sie zurückgibt, was nie zu uns gehörte – um endlich die Ketten zwischen Menschen zu lösen, die sich nach Freiheit sehnen.

Rebecca Gischel – Jenseitsmedium München

Über die Autorin

Rebecca Gischel ist Jenseitsmedium aus München. Ihre besondere Stärke liegt in der feinen Wahrnehmung von Gefühlswelten der Verstorbenen. Haben Sie Interesse an einem Jenseitskontakt? Mehr erfahren.

Auf Instagram: @mediale.kommunikation