Titelbild: Meine Haltung als Medium und Künstlerin – eine ewige Suche nach Wahrheit
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Meine Haltung als Medium und Künstlerin – eine ewige Suche nach Wahrheit

Auf der Suche nach Wahrheit darf man nie den Mut verlieren, sich selbst zu widersprechen.

Dieser Satz beschreibt meine philosophische Haltung als Medium und Künstlerin. Beide Tätigkeiten stammen für mich nicht nur aus derselben Quelle, sondern sie haben auch denselben Kern: für mich sind sie die Annäherung an etwas, das sich nicht vollständig fassen lässt. Denn obwohl ich gerade in meiner Arbeit als Medium intensiv mit anderen Dimensionen in Kontakt stehe und Einblicke bekomme, die die Grenze des Sichtbaren verlassen, bin ich davon überzeugt, dass wir Menschen die Wahrheit nie werden begreifen können. Sie lässt sich höchstens erahnen, in ganz besonderen Momenten. Und gerade darin liegt ihre tiefe Schönheit.

Die Geschichte einer ewigen Suche

Seit Jahrtausenden suchen große Denkerinnen, Mystiker und Wissenschaftlerinnen nach der letztgültigen Antwort über das Wesen des Seins. Philosophen haben Systeme entworfen und verworfen, Religionen Antworten formuliert, die Wissenschaft arbeitet sich unermüdlich an einem allumfassenden Verständnis der Welt ab. Und doch: Niemand konnte die letzte Antwort je finden.

In meinen Augen ist das kein Zufall – und auch kein fehlendes Puzzlestück, das wir irgendwann finden werden. Vielleicht ist es das Wesen der Wahrheit selbst, dass sie sich dem menschlichen Begreifen entzieht.

Mein Beruf als philosophische Übung

Als Jenseitsmedium stelle ich Kontakt zu Verstorbenen her. Dabei stehe ich tagtäglich mit Dimensionen in Verbindung, die sich rational nicht vollständig erklären lassen. Was sich mir zeigt, ist real – und bleibt zugleich unergründlich.

Auf der einen Seite erzählen mir Verstorbene aus ihrem Leben, sie zeigen mir ganz konkrete Bilder und Erinnerungen, die von ihren Hinterbliebenen geprüft und bestätigt werden können. Auf der anderen Seite nehmen mich viele Verstorbene mit in eine andere Dimension. Sie berichten, was sie rückblickend über das Leben verstanden haben, manche sprechen von einem größeren Sinn oder ihrem Seelenplan.

Durch sie fühle ich, wie sich ihr Sterben angefühlt haben muss, was ihnen dabei erschienen ist und wie sie es erlebt haben. Manche übermitteln mir, wo sie sich jetzt befinden. Wie sieht es für sie aus, mit wem sind sie da, wie erleben sie ihr Sein in dieser Dimension? Viele Aspekte dieser Erzählungen überschneiden sich oder ähneln sich in ihrer Atmosphäre und ihren Bildern.

Und doch: Ich glaube, man unterliegt einem Irrtum, wenn man die Erzählungen von Verstorbenen über andere Dimensionen und Seinszustände allzu wörtlich versteht. Das menschliche Gehirn scheint schlicht nicht die Fähigkeit zu haben, zeit- und raumlose Dimensionen erfassen und denken zu können. Daher greifen Verstorbene auf symbolische Bilder zurück – oder ihre Übermittlungen werden vom Gehirn des Mediums in derartige Entsprechungen übersetzt – die uns diese Dimensionen zwar erahnen lassen, sie jedoch nicht widerspruchsfrei logisch erklären können. Und doch tragen Symbole Bedeutung – eine Bedeutung, die sich zwar einer rein rationalen Ausdeutung verwehrt, doch auf einer tieferen, seelischen Ebene zu uns spricht.

Das bringt mich immer wieder in ein Gefühl von ergriffenem Staunen, inmitten des Nicht-Wissens. Oder gerade wegen des Nicht-Wissens.

Der Zauber kommt zurück in die Welt, wenn wir uns der Unbegreiflichkeit des Seins in aller Tiefe bewusst werden.

Und weil jeder neue Einblick meine Sicht auf das Wesen des Seins verändert und eine vorherige Ansicht überholt, ist mein Beruf für mich daher mehr als eine Tätigkeit, in der ich für Hinterbliebene Kontakt zu Verstorbenen herstelle. Er ist eine tägliche philosophische Übung, in der ich mich in den unmöglichen Versuch begebe, mich dem Erkennen der Wahrheit anzunähern. Um ewig daran zu scheitern – und um gleichzeitig in jedem Scheitern etwas zu erahnen.

Annäherung statt Ankunft

In meiner philosophischen Haltung fühle ich mich der Grundannahme der negativen Theologie nahe – jener Denktradition, die davon ausgeht, dass sich das Göttliche, das Absolute, das Wesen der Dinge dem menschlichen Begreifen grundsätzlich entzieht. Man kann nicht sagen, was es ist – höchstens, was es nicht ist.

Auch ich glaube – und erlebe in meiner Arbeit als Jenseitsmedium immer wieder – dass das Wesen des Seins unser Verständnis übersteigt. Doch gerade wenn man davon ausgeht, dass die Wahrheit unerreichbar ist, heißt das nicht, dass man stehenbleibt. Es heißt im Gegenteil: ständige Bewegung. Alte Vorstellungen loslassen, neue entwickeln, und dabei den Mut haben, sich immer wieder selbst zu widersprechen. Weiterdenken. Weiterstaunen.

Das Paradox des Nicht-Wissens

Diese Haltung hat allerdings einen inneren Widerspruch, dem ich mich bewusst stelle. Wer das Nicht-Wissen zu einer festen Überzeugung macht – wer also sagt "ich weiß, dass ich nichts wissen kann" – widerspricht sich bereits selbst. Denn dann hätte man sich auf etwas festgelegt, worauf man sich eigentlich nicht festlegen dürfte.

Echtes Nicht-Wissen bleibt offen – auch für die Möglichkeit, dass Wahrheit doch, auf eine Weise, die ich heute noch nicht verstehe, erfahrbar ist. Auch diese Möglichkeit darf ich mir nicht verschließen. Genau das macht die Suche zu einer ewigen.

Meine Haltung und Arbeitsweise

Diese Haltung prägt auch, wie ich mich für Jenseitskontakte öffne. Ich arbeite nicht nach einer festen Glaubensvorstellung darüber, was nach dem Tod passiert oder wie die geistige Welt beschaffen ist. Ich erwarte keine bestimmte Erzählung oder Übermittlung von einem Verstorbenen. Ich bleibe offen für das, was sich zeigt – auch dann, wenn es meiner bisherigen Sicht widerspricht. Nicht selten werde ich dabei überrascht und nicht selten gehe ich mit einem veränderten Blick aus einem Jenseitskontakt.

Ich erlaube also den Verstorbenen und mir selbst, meiner momentanen Sicht fortwährend zu widersprechen. Als ewige Annäherung.

Auch in meiner Kunst findet sich meine ewige Suche wieder. Die abstrakten Bilder entstehen nachts, in tranceähnlichen Bewusstseinszuständen. Über viele Stunden und Nächte hinweg begebe ich mich über das Mittel der Kunst immer wieder in Dimensionen, die sprachlich nicht zu beschreiten sind. Und auch in meinen Bildern erhebe ich nicht den Anspruch, jemals die Wahrheit zu zeigen. Sie sind ein ewiges Ringen um eine Ahnung – die ewige Bewegungsrichtung meines Lebens.

Mut zu unbegründeter Schönheit

Ich glaube: Wir Menschen müssen die Wahrheit nicht letztgültig begreifen, nicht berechnen und nicht kontrollieren. Die ewige Suche ist Teil unseres Seins – nicht ein Mangel, den es zu beheben gilt.

Und vielleicht dürfen wir den Mut finden, uns gänzlich unbegründet dem großen Staunen zu öffnen, das uns umgibt. Als begründete Ahnung.


Rebecca Gischel – Jenseitsmedium München

Über die Autorin

Rebecca Gischel ist Jenseitsmedium aus München. Ihre besondere Stärke liegt in der feinen Wahrnehmung von Gefühlswelten der Verstorbenen. Haben Sie Interesse an einem Jenseitskontakt? Mehr erfahren.

Auf Instagram: @mediale.kommunikation